Skulpturen aus Silberdraht

Der Moment zählt. Vergangenheit und Zukunft treffen sich im Moment der Gegenwart. Wir sind immer nur im Hier und Jetzt. Die Transparenz und Feinheit des Drahtes bietet sich als analogie zum Menschen an. Die menschliche Verletzlichkeit wird durch die Zartheit des Materials vermittelt. Zugleich hat es unerwartete Festigkeit, sobald man es angreift. Durch das Spiel mit Licht und Schatten erreichen die Skulpturen eine spezielle Lebendigkeit.


Skulpturenportraits

Die Skulpturen sind aus Silberdraht und werden am Körper der Menschen geformt. Die Teile werden danach wie ein Kleid zusammengebaut. Der Vorgang des Formens bedarf viel Geduld, Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail, da das Material sehr sperrig ist und stechen könnte. Das durchsichtige Material lässt die Figuren mit ihrer Umgebung verschmelzen. Der Silberdraht hat die Eigenschaft, dass je nach Einstrahlung das Licht die Figuren einmal mehr und einmal weniger reflektiert. Manchmal scheinen sie überhaupt unsichtbar und nur die silbernen Schuhe oder andere persönliche Assessoires bleiben sichtbar..

Wenn eine Skulptur fertig ist, kann sie als Konterfei ihrer BesitzerIn einen Platz in deren Lebensraum einnehmen. Auch als Gruppe sind die Skulpturen sehr imposant anzusehen und vermittelt je nach Lichtverhältnis eine eigene Ausstrahlung.





Szene "Eine Gartenparty"
Frühlingshaftes Grün. Gemüsebeete. Kräuterbeete. Wein wird gereicht. Smalltalk geführt. Eine Vernissage im Garten der Künstlerin Edith Sandhofer-Malli. Drahtgeflechte mitten unter den Besuchern. Kunstvoll gestalteter Draht mit menschlichen Zügen. Die Körper der Besucher. Und dann das. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Jesu letzte Worte als Tableaux Vivant. Als im Tode erstarrtes Lebendes Bildnis. Ein Objekt, hingeduckt an die Gartenmauer. Eingezäunt von Palmzweigen. An einer efeubewachsenen Mauer das Schweisstuch der Veronika, in metallene Form gegossen. Darunter Jesu als Draht-Gestalt. Er liegt im üppig wuchernden Gras. Tod und Auferstehung. Zwischen den beiden Polen, unausgesprochen, die sieben letzten Worte am Kreuze. Ein knallrotes Ei, dort wo dem Lebenden das Herz schlägt. Auch dieser Draht-Jesu ein in Form gebrachter Mensch. Christus, der Menschensohn. Der Garten der Künstlerin als ländliches Getsemani. Die Gartenparty wird zum Kunst-Event.
Text von Christoph Frühwirth